Unsere Ortschaft
Haslach und Herrenberg
Bilder von Haslach
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| Rathaus Haslach | Jacobuskirche | Bauernhof Lohrer |
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| Blick von Haslach nach Herrenberg | Hohenzollernstr. | |
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| Haslach 2005 | Museumsscheuer | |
Geschichte Haslachs
Haslach, als lange Zeit kleinster Ort des Oberen Gäus, wurde erstmals am 01. November 775 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch urkundlich erwähnt. Erst nach einer großen Lücke gibt es dann wieder einen urkundlichen Beleg, wonach 1288 das Kloster Bebenhausen zum ersten Mal Grundstücke und Einkünfte aus Haslach erhielt. In der sehr wechselvollen Geschichte bleibt Haslach stets das charakteristische Bauerndorf, was auch das heutige Ortsbild noch bestätigt.
Neben den Großbauern hatte ein jeder der bis im 19. Jahrhundert hier ansässigen Handwerker sein Äckerle. Die Industrialisierung hielt nur langsam Einzug, nicht zuletzt bedingt durch die überaus schlechte Verkehrsverbindung. Einziger 'Industriebetrieb' ist der Haslacher Steinbruch, der im Jahr 1908 eröffnet wurde und heute noch als Steinwerk geführt wird.Erst etwa ab 1960 setzt die innere Veränderung des Ortes ein. Die zunehmende Motorisierung und die regelmäßige Omnibusverbindung nach Herrenberg lockte Siedlungswillige, vor allem Angestellte und Werktätige aus Böblingen und Sindelfingen an. Die Zahl der Vollerwerbsbauern sank.
Erfreulicherweise hat sich der Ortskern im äußeren Dorfbild wie auch in der inneren Zusammensetzung im wesentlichen behauptet, jedoch lässt sich ein Übergewicht der Wohngemeinde nicht leugnen. Pendler in die Arbeitsorte des Kreises sind weit in der Mehrzahl.So fordert die Zahl der jungen Familien 1970 auch den Bau eines Kindergartens mit zwei Gruppen, inzwischen wieder erweitert um eine dritte Gruppe im Jahr 1993. Eine einzügige Grundschule ist ebenfalls am Ort.
Am 01.12.1971 schloss sich Haslach im Zuge der Gemeindereform an Herrenberg an, von dessen Stadtkern es ca. 5 km entfernt liegt. Eine gute Linienbusanbindung garantiert werktägig immerhin 27 Fahrten und die Straßenerschließung erfolgt auf zweierlei Möglichkeiten - entweder von der B 28 Richtung Nagold oder auf der Landesstraße 1184 Richtung Horb.
Während die Einwohnerzahl um die Jahrhundertwende noch unter 500 betrug und selbst im Jahr 1970 noch unter 1.000 lag ist erst durch die weitere Bauplatzerschließung in den 70iger Jahren die 1.000 er-Grenze überschritten worden und liegt zum Januar 2003 bei 1.782 Dabei hat Haslach nach Mönchberg die zweitniedrigste Quote des Ausländeranteils, nämlich nur 6,53 % im Verhältnis zur Kernstadt mit 18,24 %. Die große Zahl der Auspendler aus der überwiegenden Schlafgemeinde Haslach führt dazu, dass sich gerade einmal eine Bäckerei mit Lebensmitteleinzelhandel am Ort halten kann, während die übrige Bedarfsdeckung im reichhaltigen Angebot der Kernstadt erfolgt.
Ein aktives Gemeindeleben ist dennoch zu verzeichnen: - der Gesangverein Eintracht prägt das kulturelle Leben, insbesondere durch die regelmäßige Konzertserie im gemeinsamen Auftritt mit dem Nachbarchor aus dem Stadtteil Kayh.
Sport hat schon immer einen hohen Stellenwert gehabt und Haslach den Ruf als Handballhochburg verschafft. Trotz des zwar nicht mehr eigenständigen Auftritts der Regionalligaspieler seit der Zusammenfassung in der Spielgemeinschaft ( SG-Haslach-Herrenberg-Kuppingen) wird die grundlegende Basis in der intensiven Jugendarbeit und in verschiedenen anderen Sparten des TV Haslach gelegt. Die 1993 fertiggestellte Sporthalle mit einem kompletten Handballfeld, die in dieser Halle integrierte Gaststätte und das Feuerwehrgerätehaus stellen eine entscheidende Komponente in Haslachs Infrastruktur dar.
Artikel aus www.Herrenberg.de
Großfeuer in Haslach
Im August 1928 wird der Ortskern von einem Brand verwüstet
Großfeuer in Haslach
Quelle: 1200 Jahre Haslach. Geschichte eines schwäbischen Dorfes im Oberen Gäu. Von Walter Gerblich, herausgegeben von der Stadtverwaltung Herrenberg, Herrenberg 1976. (Veröffentlichungen des Heimatgeschichtsvereins für Schönbuch und Gäu e.V., Band 12), S.61-62, S. 89-90
Bild rechts: Ortsmitte von Haslach nach dem Großfeuer vom 11. August 1928. (Aus: 1200 Jahre Haslach, Herrenberg 1976, S.62)
Noch bis weit ins 20. Jahrhundert stellten Brandkatastrophen eine ständige Bedrohung für Städte und Gemeinden dar. Seitens der Obrigkeit versuchte man durch vielerlei Baubestimmungen, die Brandgefahr einzudämmen. So forderte etwa die Land-Feuerordnung von Herzog Carl-Eugen im Jahre 1751 die Verblendung von Fachwerkbauten. Die Gemeinden versuchten sich durch die Anlage von Löschwasserteichen und die Einrichtung von Freiwilligen Feuerwehren zu wappnen.
Besonders groß war die Gefahr in den heißen Sommermonaten. Im September 1895 war Leonberg von einem Großfeuer heimgesucht worden und am 20. August 1907 vernichtete ein Dorfbrand in Darmsheim ein Drittel der Häuser. Am 11. August 1928 brannte es auch im Ortskern von Haslach. Die Haslacher Ortsgeschichte veröffentlichte hierzu einen Bericht aus dem Herrenberger „Gäuboten" vom 12. August 1928:
„Eine Schreckensnacht liegt hinter uns, wie sie unser Ort schon längst nicht mehr erlebt hat. Nachdem am letzten Montag früh eine Scheune abgebrannt und man nach den schweren Arbeiten der letzten Woche glaubte, sich ruhig zu Bett legen und mal wieder ausruhen zu können, wurden wir um ¼ 11 Uhr wieder durch Feueralarm aufgeschreckt.
Bild links: Am Tag nach dem Brand ist das ganze Ausmaß der Katastrophe ersichtlich. (Aus: 1200 Jahre Haslach, Herrenberg 1976, S.62) - klicken Sie in das Bild, um es zu vergrößern
Die vollgefüllte Scheune des Gemeinderats Adolf Gräther stand in hellen Flammen und fand reichliche Nahrung bei der eingebrachten, trockenen Ernte. Obgleich die Feuerwehr rasch zur Stelle war, konnte sie doch ein weiteres Übergreifen des Feuers nicht verhindern, und so standen in kurzer Zeit weitere Gebäulichkeiten in Brand: Das Wohnhaus mit Scheuer von Eugen Gräther, Sohn obigen Gemeinderats Gräther, Wohnhaus und Scheune von Friedrich Hirth, der nun während seines Hausens zum zweitenmal Brandunglück hatte (vor 20 Jahren), Wohnhaus mit Scheune von Georg Wagner, ein Gemeinde-Haus, bewohnt von G. Jung sowie das Gemeindebackhaus mit neu eingerichteter Badeanstalt. Von auswärts waren zu Hilfe geeilt die Herrenberger Feuerwehr mit zwei Spritzen, die Motorspritze von Sindelfingen, sowie die Feuerwehren von Nebringen und Kuppingen. Bei der derzeitigen Dürre und Wassermangel mußten die Wehren hauptsächlich bedacht sein, die umliegenden Gebäude zu retten, was auch glücklich gelang, ja das Feuer in Fritz Lohrers Scheuer zu dämmen, wo das Heu unten an der Wand gegen den Brandplatz schon Feuer gefangen hatte. Von Glück ist zu sagen, daß Windstille herrschte, sonst wäre unübersehbares Unglück entstanden und der halbe Ort abgebrannt. Dank gebührt vor allem den wackeren Feuerwehrleuten sowie der aufopfernden Tätigkeit der Einwohner, die nicht ermüdeten, Wasser aus alten, längst nicht mehr benützten Brunnen, und da dieses nicht ausreichte, auch Jauche herbeizuschleppen. Das angrenzende Rathaus wurde vollständig ausgeräumt und die Akten in die nahe gelegene Kirche verbracht, doch blieb das Rathaus erhalten. Vom Mobiliar konnte wenig gerettet werden, dagegen konnte das Vieh glücklich aus den Ställen gebracht werden. Der Schaden ist groß."
Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Herrenberg und des Heimatgeschichtsvereins für Schönbuch und Gäu e.V.
1200 Jahre Haslach
„Das Jahrhundert im Rückblick“: 1976
von HELGE BENDL
Tagelang wurde gefeiert. Historiker blickten in Vorträgen weit in die Geschichte des Ortes und des ganzen Gäus zurück, in einer Chronik wurde die Landschaft und deren Bewirtschaftung in den vergangenen Jahrhunderten erläutert. Ein imposanter Festzug vereinte künstlerischen Einfallsreichtum, attraktive Ausstattung und Chronistengeist: Haslach beging im September 1976 sein 1200-jähriges Bestehen. „So viele Menschen hatte die Gemeinde auf der Anhöhe im Südwesten Herrenbergs noch nie gesehen“, berichtete der „Gäubote“ auf einer Bilderseite über das Spektakel.
Archivstudien im Rathaus und der Kirche, Herrenberger Quellen von Stadtarchiv und Dekanat, Urkunden aus den Kellern des Oberkirchenrats und der Landesbibliothek: Dr. Walter Gerblich, der ehemalige Ortsgeistliche und Lehrer, hatte lange Zeit recherchiert und stellte schon vor der offiziellen Feier das Haslacher Heimatbuch vor und ging darin auch den vor Ort lebendigen Überlieferungen nach. Der erste Beitrag zur 1200-Jahr-Feier war in den Buchhandlungen für acht Mark zu haben.
Haslach – schon seit eh und je (und nicht erst seit der wie vielerorts umstrittenen Eingemeindung am 1. Dezember 1971) mit Herrenberg verbunden? Der Kelch im Ortswappen war ursprünglich das Rechtszeichen des Herrenberger Stifts und kein Symbol für die verschiedenen kirchlichen Rechte, sagte Altlandrat Karl Heß in der Festansprache zum Auftakt der Jubiläumsfeier. Der Vorsitzende des Heimatgeschichtsvereins im Kreis Böblingen ließ es aber nicht bei einem Blick in die vergangenen Jahrunderte bewenden, sondern erläuterte die Siedlungsgeschichte des Gäus. 1951 wurde in Haslach ein steinernes Beil gefunden – ein Hinweis, dass schon im Jahr 3000 vor Christus in der mittleren Steinzeit Menschen im Gäu Ackerbau betrieben. Vom Nomadentum der Jäger und Sammler hatten sich die Vorfahren schon verabschiedet, später schmiedeten sie in ihren Siedlungen aus Bronze und Eisen ihre Arbeitsgeräte. In der Nachbarschaft von Haslach finden sich einige Grabhügel aus dieser Zeit.
Um 600, so vermutete Heß, wurden in der Nähe eines großen Haselnussbusches Höfe errichtet. Am ersten November im achten Jahr des Königs Karl, also 775 nach Christus, wird Haslach samt 15 Leibeigenen von seinen fränkischen Herren dem Kloster Lorsch an der Bergstraße geschenkt. Auch die Klöster Bebenhausen, Reutin, Güterstein und das Chorherrenstift Sindelfingen erlangten später Besitz und Rechte in Haslach.
Die Entwicklung von der Vergangenheit zur Gegenwart war auch das Oberthema des Festzugs, der unter der Regie des Herrenberger Stadtarchivars ein Jahr lang vorbereitet wurde. Gut 300 Mitwirkende zählt der Chronist des „Gäubote“, in 42 Bildern und 35 Festwagen wurde von der vorchristlichen Besiedlung bis zum dörflichen Leben der 70er Jahre die Ortsgeschichte rekapituliert. Historische Szenen als Augenweide für die Zuschauer: Männer mit Bärenfell und erlegtem Eber, ein römischer Kampfwagen mit den stolzen Kriegern, der stimmgewaltige „Fleckaschütz“ und ein Hundesgespann als Brot- und Milchfuhrwerk. Auch eine französische Kapelle aus Tarare war beim Festwochenende mit am Start. Als „eine Geburtstagsparty, wie sie in 100 Jahren nur einmal vorkommt“ wurde das „Jahrhundertereignis“ mit über 10 000 Besuchern beschrieben. Manche Haslacher hatten sich auch mit der Kamera mit ihrem Ort beschäftigt, die Ergebnisse waren in einer Fotoausstellung zu sehen. Und am Ende spielte sogar das Wetter mit, statt Regen gab’s sogar Sonnenschein. Kommentar einer Haslacherin: „Mir send halt doch liabe Leut.“ Auch eine andere Gemeinde feierte 1976 Jubiläum: Deckenpfronn, dreimal durch die Pest, die Zerstörung 1634 durch den Dreißigjährigen Krieg und 1945 durch den Zweiten Weltkrieg am Rande seiner Existenz, beging sein 900-jähriges Bestehen.
Die Jahrgänge 1897 bis 1972 trafen sich im Festzelt, bei einem Heimatabend wurde die resoluteste Frau Deckenpfronns im 16. Jahrhundert vorgestellt. Schon 1052, so vermutete Professor Dr. Hans Martin Decker-Hauff bei der Feier, besaß der Ort eine Kirche. Das Dorf an der Grenze zum Schwarzwald sei vermutlich noch viel älter als 900 Jahre: Der Historiker zog Parallelen zum Kloster Hirsau, das um die Zeit Karls des Großen 830 entstand. Tausende von Zuschauern genossen beim Festzug am Straßenrand einen farbenprächtigen Geschichtsunterricht: Der Abt Johann von Deckenpfronn zog mit seinen Zisterziensermönchen vorbei, die kleinste Gemeinde im Kreis Böblingen wurde indes auch an die Katastrophen erinnert, die den Ort einst heimsuchten.
soziale u. wirtschaftlichen Situation Haslachs
Zur sozialen und wirtschaftlichen Situation Haslachs im 19. Jahrhundert
"Mittelbesitz" statt Kleinwirtschaft
Quelle: 1200 Jahre Haslach. Geschichte eines schwäbischen Dorfes im Oberen Gäu. Herausgeber: Stadtverwaltung Herrenberg, Herrenberg 1976. (Veröffentlichungen des Heimatgeschichtsvereins für Schönbuch und Gäu e.V., Band 12), S. 53-54.
Autor: Walter Gerblich
Sonderfall Haslach: "Mittelbesitz" statt Kleinwirtschaft
An der landwirtschaftlichen Struktur unseres Dorfes ist beachtlich, dass im Gegensatz zu weiten Teilen des Landes, ... "Haslach allein der Kleinwirtschaft bis jetzt mit ziemlichem Erfolg widerstanden hat; es weist ihr nur 25 Prozent landwirtschaftlichen Areals zu, 17 andere Orte des OA Herrenberg 40 Prozent. Wir zählen aber immerhin nur 7 Markungen, welche nach den ländlichen Begriffen entschieden größeren Besitz von 10 und mehr Hektar 30 Prozent Areals und darüber vorbehalten". Haslach und Pfäffingen stehen mit 40 Prozent obenan und behaupten also nach damaliger Wertung "Mittelbesitz".1*
Und trotzdem, so stellt Prof. Heitz, Hohenheim, [1883] weiter fest, basiert die Ehe gemäß dem altwürttembergischen Güterrecht auf dem Grundsatz der Errungenschaftsgemeinschaft. Was in diese Ehe gebracht und während derselben erworben oder ererbt ist, wird Gesamtgut der Eheleute, fällt aber mit dem Tode des einen Ehegatten, falls nicht Nutznießung vorbehalten ist, auseinander, um alsbald realiter geteilt zu werden. Die Teilung erfolgt dann entweder frei nach unter den Erben vereinbarten Sätzen oder - was bei minderjährigen Erben geschehen muss - nach einem Anschlag, welchen das Waisengericht, eine Abteilung des Gemeinderats, auf Grund der laufenden Preise vorzunehmen hat, zuletzt durch öffentliche Versteigerung.
Die nächste Folge des ehe- und erbrechtlichen Systems ist die Notwendigkeit einer Rekonstruktion des Besitzes durch jede Familie. Jedes Ehepaar fängt mit den wenigen Grundstücken an, welche ihm, wenn irgend möglich, von beiden Seiten her als Aussteuer gegeben werden, und muss nun allmählich durch Zukauf anderer Feldstücke auf den Bestand der ursprünglichen elterlichen Wirtschaft ("mittlere Größe") wieder zu gelangen suchen. Und wirklich gelingt das bei der ausgesprochenen Vorliebe für die Anlage des Vermögens in Grund und Boden verhältnismäßig leicht, wenn nur die ökonomischen Regeln eingehalten werden. ...
"Vermögliche" Bauerngemeinde mit Licht- und Schattenseiten
Die Umwandlung des Landbesitzes wie die beginnende Industrialisierung bringt eine Verminderung des Nebenverdienstes, stärkere Abwanderung wegen der lohnenderen Arbeit in den Städten, aber auch weitere Auswanderung mit sich. Die Sitten lockern sich, die Armut steigt, obwohl man noch 1880 von einer "vermöglichen geordneten Bauerngemeinde mit Licht- und Schattenseiten" spricht, wobei das fremde Gesinde sich nicht zum Vorteil der Sittlichkeit erweise. Zuvor bereits hatte der Pfarrbericht von 1862 von einer "Geldaristokratie" gesprochen, die gegenüber Armen und Auswärtigen nicht frei von Stolz und Übermut sei.2*
1840 wird nur die halbe Ernte gemeldet. Die [Zehnt-]Ablösungsschwierigkeiten kommen hinzu. Im genannten Jahr wird außerdem von einer länger andauernden Nervenfieber-Krankheit berichtet, die nur sechs Häuser verschont habe.
Während man anfangs sich immer noch mit Besuchen, Plaudereien und Spinnen "zum Licht im Haus", später bei Petroleumlampen bei einem Nachbarn versammelte und so die langen, dunklen Stunden vor allem des Winters verbrachte, wächst die Trunksucht, die man 1880 in 5 (!) Gastwirtschaften befriedigen kann. Früher gab es nur eine, später zwei.
Schon 1840 war Konrad Kohler zum "Trinkgeschirr-Visitator" bestimmt worden, um jährlich 2 bis 3mal zu unbestimmten Zeiten unter Aufsicht des Accisors3* Jakob Ulmer mit Zuziehung eines Gemeinderats-Mitglieds bei dem Wirt das Geschirr zu überprüfen. - Am 23. 12. 1846 beschloß der Gemeinderat: Da der Bürger und Bäcker Joh. Martin Koch trotz wiederholter Mahnung vor dem Gemeinderat und Arrest immer wieder volltrunken sei, Frau und Schwiegermutter bedrohe, bestehe die Gefahr des Säuferwahns. Der Hirschwirt Schneider dürfe ihm nichts mehr zu trinken geben.
Im allgemeinen herrscht wenig gesellschaftliches Leben; seit 1896 gab es einen Kriegerverein.
Die nächsten Jahrzehnte prägt die Persönlichkeit von Schultheiß August Reichert (seit 22. 10. 1896) das Ortsgeschehen. Er ist "militärisch geschult, kirchlich gesinnt". Die Jugend zeigt weiter ein "läppisches Wesen" (1888) und bei ihrem "Herumziehen Mangel an Ehrerbietung".
Haslacher Altar

Der Haslacher Altar in geöffnetem Zustand. Der prächtige Altarschrein befand sich einst in der Haslacher Jakobuskirche und steht heute im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart. (Foto: Württ. Landesmuseum Stuttgart)
Der Haslacher Altar
Der Haslacher Altar
Quelle: zeitreise bb
Autorin: Susanne Schmidt
Altar geöffnet
Bild: Der Haslacher Altar in geöffnetem Zustand. Der prächtige Altarschrein befand sich einst in der Haslacher Jakobuskirche und steht heute im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart. (Foto: Württ. Landesmuseum Stuttgart) - Für eine vergrößerte Ansicht klicken Sie bitte in das Bild
Er gilt als einer der wertvollsten Kunstschätze aus dem Landkreis Böblingen, der spätgotische Flügelaltar aus der Jakobuskirche in Haslach. Wie der Ratgeb-Altar aus der Herrenberger Stiftskirche, befindet auch er sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr an seinem angestammten Ort. Bereits im Kirchenneubau von 1792 hatte er keine Verwendung mehr gefunden. In der Überzeugung, "daß dieses Kunstwerk in Stuttgart mehr geschätzt und anerkannt werde", überließ der Stiftungsrat den "alten großen Altarschrank" im Jahre 1852 dem kunstsinnigen Topographen Eduard Paulus, der ihn gegen ein "scharlachrotes Kanzeltuch mit goldenen Borten"1* eintauschte. Später gelangte der Altar an die Königliche Altertümersammlung, aus der das Württembergische Landesmuseum hervorging.
Den 200. Geburtstag der Jakobuskirche nahm der Herrenberger Stadtarchivar Roman Janssen im Jahre 1992 zum Anlass, den Haslacher Altar und die historischen Umstände seiner Entstehung, - die Wallfahrt nach Santiago de Compostela -, näher unter die Lupe zu nehmen. Seine Ergebnisse sollen hier im folgenden zusammengefasst werden:
Im Zentrum die Muttergottes
Im geöffneten Festtagszustand, enthält der Altarschrein drei geschnitzte Figuren: "Im Zentrum steht die Muttergottes als Himmelskönigin, thronend auf der Mondsichel, das Kind im Arm; ihr zur Rechten Jakobus mit Buch, Pilgerstab -mantel und -flasche, zur Linken Nikolaus im Bischofsornat und mit den 3 Goldkugeln2*. Darunter befinden sich auf dem Sockel der Anfang des Ave Maria, die Namen beider Heiliger sowie die Jahreszahl 1493 aufgemalt. Der rechte Flügel, vom Altar her gesehen, zeigt Johannes den Täufer mit dem Lamm Gottes und Maria Magdalena mit Salbgefäß; der linke Flügel eine Märtyrerin mit einem Schwert, [Hl. Fides] und Antonius den Eremiten mit Schwein, Glöckchen, Kreuz und Buch. Im geschlossenen Zustand, auf der Alltagsfront, ist die Verkündigung Mariä abgebildet. Die Rückseite des Schreins trägt ein Gemälde des Jüngsten Gerichts. Dieser Tatsache ist zu entnehmen, dass der Altar frei aufgestellt war."3*
Abbild kirchlicher Verhältnisse im Mittelalter
Aus der Beschreibung lässt sich die erste wichtige Aussage des Altars ableiten. Sie betrifft die Rangordnung der Figuren, die die kirchenrechtliche Stellung der Haslacher Kapelle innerhalb der Herrenberger Pfarrei widerspiegelt. Hauptperson ist unmissverständlich die Muttergottes, Pfarrpatronin der Herrenberger Stiftskirche. Hausherr ihrer Haslacher Tochter-Kapelle ist der Hl. Jakobus. Ihm kommt daher die zweithöchste Position zur Rechten der Madonna zu. Der Dritte im Bund, der Hl. Nikolaus, zählt zu den 14 Nothelfern und ist auch der Patron der Pilger. Er macht klar, dass es sich nicht nur um einen Jakobusaltar, sondern um einen ausgesprochenen Altar der Pilgerschaft handelt.
Rechter Flügel Innenseite
Bild: Haslacher Altar, Innenseite des rechten Flügels mit Johannes dem Täufer und Maria Magdalena mit Salbgefäß. (Foto: Württ. Landesmuseum Stuttgart) - Bitte klicken Sie in das Bild, um es zu vergrößern
Das Ziel und der Weg - das Figurenprogramm des Altars
Die Wallfahrt zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela hatte ihren Höhepunkt im 11. und 12. Jahrhundert. Einen letzten Auftrieb erlebte sie nochmals im 15. Jahrhundert. Der Haslacher Altar trägt das Datum 1493. Er wurde also zu einem Zeitpunkt gestiftet, als sich die Pilgerreise kurz vor dem Niedergang befand.
Was auf ersten Blick wie eine zufällige Anordnung von Heiligen um die Marienfigur anmutet, erscheint in den Ausführungen Roman Janssens tatsächlich als gut durchdachtes Programm, das den Hl. Jakobus und die Wallfahrt nach Santiago de Compostela zum Thema hat. Jakobus, so die zentrale Aussage des Schreins, ist das Ziel der Pilgerfahrt. Nikolaus, Patron der Pilger, symbolisiert den Weg dorthin. "Das Ziel und der Weg"4* - dieses Programm gilt auch für die Altarflügel. Alle vier dort dargestellten Heiligen, besaßen entlang des Jakobswegs wichtige Heiligtümer, an denen die Pilger Station machten: in Vézeley wurden die Reliquien der Maria Magdalena verehrt, in St. Jean-d'Angély das Haupt Johannes des Täufers und in Conques die Märtyrerin Fides.5* Vézeley, St. Jean-d'Angély und Conques stehen gleichzeitig auch für drei der vier Hauptrouten des Pilgerwegs durch Frankreich, die bereits in dem um 1150 verfassten Pilgerführer "Liber Sancti Jacobi" beschrieben wurden. Auch dem Hl. Antonius, Patron der Kranken, konnte man auf dem Jakobsweg begegnen. Sein Hauptsitz, Didier de la Motte, lag nahe am Weg über Le Puy/Conques oder am vierten, "unteren Weg" über Arles. Als Hospitalordnen widmeten sich die Antoniter zudem der Pflege der erkrankten Pilger. Eine ihrer Niederlassungen befand sich im 15. Jahrhundert nachweislich in Gültstein.
Linker Flügel Innenseite
Bild: Haslacher Altar, Innenseite des linken Flügels mit dem Eremiten Antonius und der Märtyrerin Fides. (Foto: Württ. Landesmuseum Stuttgart) - Bitte klicken Sie in das Bild, um es zu vergrößern
Auftraggeber und Künstler
Leider wissen wir nicht, wer den Altar für die Haslacher Kapelle in Auftrag gegeben hat. Möglicher Weise war es jemand aus dem Kreise der Herrenberger Stiftsherren, der Brüder vom gemeinsamen Leben; auch ein privater Stifter käme in Betracht. Alle Anzeichen weisen darauf hin, dass der Auftraggeber selbst auf der Jakobsweg gepilgert war und auf dem Altar dargestellt haben wollte, was er in Santiago de Compostela und auf der Reise dorthin gesehen hat. Dafür spricht auch die unter dem Gewand der Jakobus-Figur verborgene Pilgerflasche. Sie ist eigentümlicher Weise nicht geschnitzt, sondern aus Leder gefertigt. Auffällig ist auch, dass die Muschel, - das Attribut der Jakobspilger schlechthin -, fehlt; ebenso der Pilgerhut, an dem sie in der Regel befestigt war. Janssen vermutet daher, dass die Figur des Jakobus einst, wie die des Hl. Nikolaus, einen Hut trug, der ebenfalls aus Leder gewesen sein könnte und - als Votivgabe - eine echte Muschel trug.6*
Auch bei den Künstlern sind wir auf Vermutungen angewiesen. Flügelaltäre waren in der Regel "Teamwork", d.h. an ihrer Ausführung waren mehrere Werkstätten beteiligt. Zunächst muss der Auftraggeber die drei Schnitzfiguren des Schreins bestellt haben. Hier wird ein Meister der sogenannten "Ulmer Schule" vermutet. Früher hatte man den Altar der Syrlin-Werkstatt zugeschrieben, heute wird die Werkstatt Nikolaus Weckmanns favorisiert. Danach beauftragte man einen sog. "Faßmaler" mit der Farbgebung der Figuren und einen Schreiner (Kastner) mit der Anfertigung des Altarschreins. Zuletzt ging der Maler ans Werk. Dieser, so ergab die restauratorische Untersuchung, hat das Werk wohl an Ort und Stelle vollendet.
Im Laufe der Zeit, spätestens aber nach der Reformation, geriet in Haslach das Wissen und das Verständnis um den Inhalt und die historischen Hintergründe des Pilgeraltars in Vergessenheit. Als herausragendes Kunstwerk fand der Altar schließlich im musealen Bereich neue Beachtung. Darüber hinaus ist er ein eindrucksvolles Dokument der Herrenberger Kirchengeschichte und der spätmittelalterlichen Frömmigkeit, das, wie sonst keines im Kreis, an eines der großen Phänomene des Mittelalters erinnert: die Wallfahrt nach Santiago de Compostela.
1 R. Janssen, St. Jakob und sein Altar. In: 200 Jahre Jakobuskirche in Haslach, Hrsg.: Ev. Kirchengemeinde Haslach, Herrenberg 1992, S. 23.
2 Der Legende nach bewahrte der Hl. Nikolaus drei Jungfrauen vor der Unzucht, indem er für ihre Aussteuer nachts drei goldene Kugeln in ihr Zimmer warf ("Jungfrauenlegende").
3 R. Janssen, a.a.O., S. 24
4 R. Janssen, a.a.O., S. 29
5 Die Heilige mit dem Schwert war zuvor meist als Hl. Katharina bezeichnet worden. Als weitere Attribute fehlen jedoch Rad und Buch. Janssen identifiziert sie daher als Hl. Fides.
6 R. Janssen, a.a.O., S. 39. Auf Santiago de Compostela und die Wallfahrt verweisen noch andere formale Gestaltungselemente. So wirken die goldenen Rundbogenarkaden, die die drei Figuren des Altarschreins wie ein Baldachin überfangen, in einem gotischen Altar stilistisch überraschend. Als prägendes Element finden sie sich in der Architektur der romanischen Kathedrale von Santiago und als Untergliederung des dortigen Altarantependiums (Vorsatztafel). Die goldenen Sterne auf blauem Grund, die den Figuren als Hintergrund dienen, sind dagegen ein Symbol für die Milchstraße, die im späten Mittelalter gemeinhin Jakobsstraße hieß.
Noch mehr über Haslach
finden sie bei www.vereine-haslach.de











